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Klassische Musik / CD-Tipps

Nicht für Klassik-Spezialisten, sondern für Laien!

Nipper

Für Laien wie wir selbst. Wir stellen 20 Aufnahmen jenseits des bekannten Repertoires um Beethoven, Brahms, Dvorak oder Tschaikowsky vor. Man muß dazu keine "Ahnung" haben - haben wir ja auch nicht - sondern einfach nur zuhören und Spaß haben wollen! Oft sind diese hervorragenden Aufnahmen sogar zum "Freundschaftspreis" weit unter 10 € erhältlich!

Bélà Bartók (1881-1945)
Orchestral Works
Ungarisches Staatsorchester / Adam Fischer

Sehr guter und vom Orchester authentisch gespielter Querschnitt durch das Orchesterschaffen ihres Landsmanns, inkl. der beiden Violinkonzerte, einigen ungarischen Tänzen, den bekannten Suiten und natürlich dem Konzert für Orchester (hervorragend gelungen!), das der Komponist 1945 kurz vor seinem Tod komponiert hat. Extrem günstige 5-CD-Box (ca. 8 €)

David Diamond (1915-2005)
Symphonies Nos. 2 & 4
Seattle Symphony / Gerard Schwarz

Symphonik aus Amerika? Ja warum denn nicht? Diamond ist tief in der Musik der Romantik verwurzelt, und diese beiden Symphonien zeigen einen Komponisten, der Musik sowohl packend als auch schlüssig zu Papier brachte. Die Interpreten bleiben "ihrem" David Diamond nichts schuldig. Vor allem die 2. Symphonie lässt mit schweren, paukendurchsetzten Klängen aufhorchen. Sehr günstig (ca. 6 €)

Felix Draeske (1835-1913)
Symphonie Nr. 3 "Tragica"
Radio-Philharmonie Hannover / Jörg Peter Weigle

Wie nur konnte man die Symphonien von Draeske einfach übersehen? Großartige und wie der Beiname andeutet, recht tragische Musik mit herausragender Leistung der Aufführenden. Die erstklassige Aufnahmequalität in Verbindung mit der hervorragenden Dokumentation im Booklet läßt sogar den Preis (ca. 18 €) akzeptabel erscheinen.

Paul Dukas (1865-1935)
Der Zauberlehrling / La Péri / Symphonie in C
Orchestre de la Suisse Romande / Armin Jordan

Goethe's Gedicht über den Zauberlehrling, der einen magischen Besen in Bewegung versetzt, den er nicht mehr kontrollieren kann, entfesselt in dieser symphonischen Suite einen wirklichen Zauber! Einfach kraftvoll und nur schön. La Péri und die Symphonie sind schöne Beigaben französischer Symphonik, die CD ist sehr günstig zu haben (ca. 6 €)

Reinhold Gliere (1875-1956)
Symphonie Nr. 3 (Ilya Muromets)
BBC Philharmonic / Sir Edward Downes

Die Geschichte des Helden Ilya Muromets erfährt hier in knapp 76 Minuten eine fesselnde Bearbeitung durch den großen Orchesterapparat. Die mitreißende Musik läßt zu keiner Zeit irgendwelche Langeweile aufkommen, hier passt alles. Der hohe Preis (ca. 20 €) ist wegen der beim Chandos-Label üblichen überragenden Klangqualität vollauf gerechtfertigt. Atemberaubende Dynamik, Vorsicht bei schwachen Lautsprecherboxen!

Paul Hindemith (1895-1963)
Symphonie Mathis der Maler etc.
New Zealand Symphony / Franz-Paul Decker

Das berühmteste Werk des vor den Nazis geflohenden Komponisten in einer Kopplung mit den beiden ebenso überzeugenden Arbeiten "Nobilissima Visione" und den "Symphonischen Metamorphosen" kommt wirklich überzeugend auf dieser Niedrigpreis-CD (ca. 6 €) - gefällt besser als die Einspielung der routinierten Berliner Philharmoniker unter Abbado. Zugreifen!

Arthur Honegger (1892-1955)
Die 5 Symphonien etc.
Symphonieorchester des BR / Charles Dutoit

Moderne Musik, die zum Teil dramatisch die Schrecken des 2. Weltkriegs verarbeitet (3. Symphonie). Der Schweizer Komponist hat auch einen Opus an das Lokomotivzeitalter verfasst (Pacific 231), das vom bayerischen Radio-Orchester und dem Dirigenten kraftvoll nachgebildet wird. Eine sehr gute Gesamteinspielung, die als Doppel-CD nur ca. 12 € kostet.

Giya Kancheli (geb. 1935)
Mourned by the Wind / Symphonies Nos. 1 & 7
Moscow State Symphony / Fedor Glushchenko

Die von tiefer Traurigkeit durchzogene, hyperintensive Liturgie "Vom Winde beweint" ist beklemmend, die Viola und Pianoakkorde setzen dramatische Akzente in diesem 36-minütigen Stück. Wer von Depressionen geplagt wird, sollte das vielleicht lieber nicht hören. Die Vortragenden bringen Musik auf allerhöchtem Niveau. Leider ist die Aufnahme schwer zu finden, es gibt beim ECM-Label aber eine gleichwertige Alternative.

Zoltan Kodály (1882-1967)
Háry Janos Suite, Pfau-Variationen, Psalmus Hungaricus etc.
Ungarisches Staatsorchester u.a. / Adam & Iván Fischer

Den beiden ungarischen Orchester gelingt eine bewegende Interpretation der Musik ihres Landsmanns. Neben der berühmten Háry Janos Suite gibt's die überzeugendste Darstellung in Form der Pfau-Variationen. Zudem noch zwei Tänze und den geschmackvollen Psalmus Hungaricus für Chor und Tenor, alles in klanglich sehr guten Einspielungen. Sehr günstige Doppel-CD, nur ca. 4  € !

Gustav Mahler (1860-1911)
Symphonie Nr. 5
Junge Deutsche Philharmonie / Rudolf Barshai

Von den fünf Aufnahmen, die wir von dieser monumentalen Symphonie besitzen, ist dies die ausgewogenste, und vor allem ohne jeglichen "Kitsch" im berühmten Adagietto! Wer diese CD des Laurel-Labels nicht findet: Auf dem Billig-Label Brilliant gibt's diese Aufnahme zusammen mit Barshai's Rekonstruktion von Mahler's zehnter Symphonie als Doppel-CD für weniger als 10 € !

Carl Nielsen (1865-1931)
Symphonies Nos. 4 & 5
San Francisco Symphony / Herbert Blomstedt

Im ersten Weltkrieg wurde Nielsen's 4. Symphonie uraufgeführt - er hat ihr bezeichenderweise den Beinamen "Das Unauslöschliche" (die Menschheit eben) gegeben - und die Interpreten hier sind nicht weniger inspiriert. Die 5. Symphonie vermittelt eine beängstigende Vision, heftig von Schlagwerk durchzogen. Eine maßstabsetzende Aufnahme mit hervorragendem Klang. Leider nicht leicht zu finden, da Decca diese CD aus dem Katalog gestrichen hat.

Krzysztof Penderecki (geb. 1933)
Symphonien Nr. 2 und Nr. 4 ("Adagio")
Symphonieorchester des NDR / Krzysztof Penderecki

Vom Komponisten selbst geleitete Aufnahme, beide Symphonien muss man als sehr expressiv bezeichnen, wobei die zweite recht stark von der Romantik beeinflußt ist, während in den klagenden Motiven der vierten die Moderne funkelnd durchscheint. Hervorragender Klang, leider recht teuer (ca. 19 €), aber maßstabsetzend.

Einojuhani Rautavaara (geb. 1928)
Symphonie No. 7 (Angel of Light) & Annuciations
Helsinki Philharmonic Orchestra / Leif Segerstam

Ausdrucksmusik im besten Sinne - der finnische Komponist hat unheimlich intensive Klangcollagen gebastelt, die oft nur ozillieren, damit aber umso mehr gefangen nehmen. Diese Einspielung hat nicht umsonst mehrere Preise gewonnen. Das ist für moderne Hörer begeisternd und kann süchtig machen! Die CD gibt's mittlerweile zum Midpreis (ca. 10 €)

Nikolai Rimsky-Korsakov (1844-1908)
Sheherazade op. 35
Chicago Symphony Orchestra / Fritz Reiner

Doch noch ein "alter Schinken". Dies hier ist nichts weniger als DIE Aufnahme dieser 40-minütigen Orchestersuite, in der die Violine das Märchen aus 1001 Nacht erzählt. Eins der beeindruckensten Stücke der gesamten klassischen Musik! Obwohl diese Aufnahme aus 1960 stammt, ist der Klang unheimlich gut, durchsichtig, druckvoll, wo nötig - interpretatorisch kommt keine andere Aufnahme da mit. Auch in SA-CD Technik erhältlich. Blind kaufen und sich verführen lassen!

Ahmed Adnan Saygun (1907-1991)
Symphonien Nr. 1 & 2
Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz / Ari Rasilainen

Geht das? Türkische Klassik? Aber sicher doch! Die Themen kommen wunderschön und sind sowohl von der Tradition der Romantik als auch ethnisch beeinflußt. Wer abseits der ausgetretenen Pfade wandeln will - und dafür gibt es eine Menge Gründe - ist hier gut aufgehoben. Hervorragende Orchesterleistung! Die CD ist recht günstig zu bekommen (ca. 8 €).

Dimitri Schostakovich (1906-1975)
Alle 15 Symphonien
Symphonieorchester des WDR / Rudolf Barshai

Die beste Gesamteinspielung dieser Symphonien. Das Orchester läßt sogar die renommierten "Großen" hinter sich und setzt mühelos um, was Schostakovich's Studienkollege Barshai am Dirigentenpult verlangt. Top-Klang und sehr, sehr günstig: Die Box mit 11 CDs kostet gerademal ca. 22 € und liefert damit zum Spottpreis mitreißende Interpretationen.

Josef Suk (1874-1935)
Asrael Symphonie
Symphonieorchester des BR / Rafael Kubelik

In diesem etwa einstündigen Werk für großes Orchester verarbeitet der Komponist seine Trauer um seine Frau und seinen Schwiegervater Antonin Dvorák. Ergreifende Musik mit Mahler'scher Ausdruckskraft, die begeisternd vom Orchester eingespielt wurde. Leider nicht leicht zu findende, aber lohnende Aufnahme mit sehr gutem Klang.

Ralph Vaughan-Williams (1872-1958)
Tallis Fantasie, The Lark ascending, Greensleeves etc.
Academy of St.Martin / Sir Neville Marriner

Die sehr gefühlvollen Streicher nehmen den Hörer mit auf eine melancholische Entdeckungsreise durch die Klangwelt von Vaughan-Williams. Sehr gelungen auch die tragende Violine in "The Lark ascending". Obwohl die Aufnahme aus 1972 stammt, ist das unter klanglichen Aspekten nicht rauszuhören. Das sehr gut durchgezeichnete Klangbild ist für etwa 10 € zu haben.

Richard Wagner (1813-1883)
Orchesterstücke "Der Ring ohne Worte"
Berliner Philharmoniker / Lorin Maazel

Reiner Orchesterquerschnitt aus dem Ring des Nibelungen. Klanglich unübertroffen - da wird sogar der Ritt der Celli zum audiophilen Höllenritt - und eben ohne Gesang, was sicher alle begrüßen, die mit Opern nichts am Hut haben. Mittlerweile ist die CD in den Midpreis gerutscht (ca. 9 €) und lohnt damit noch mehr!

Alexander Zemlinsky (1871-1942)
Die Seejungfrau etc.
RSO Berlin / Riccardo Chailly

Aus der Reihe "Entartete Musik", die damit die von den Nazis verfolgten Künstler ehrt, stammt diese betörende Tondichtung, farbstark und harmonisch in der Anlage. Als Lehrer von Arnold Schönberg wagte sich Zemlinsky im Gegensatz zu seinem Schüler nie, die Tonalität zu verlassen. Top Orchester und wie bei Decca gewohnt mit hervorragend durchsichtigem und druckvollem Klang. Recht günstig (ca. 10 €)