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Specials - Free

Let me die to the sounds of delicious music (1968 - 1973)

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Free

England Mitte der 60er Jahre: Eigentlich ein trostloses Plaster, das Land scheint immer noch vom Krieg ausgezehrt. Aber es regt sich was. Die Beatles und die Rolling Stones haben erste grosse Erfolge.

Und es gibt eine andere Bewegung: Der Blues feiert ein Revival, weit weg von seinem Ursprung des amerikanischen Südens, die geistigen Väter sind Alexis Korner und John Mayall. Als der gerade 15-jährige Londoner Paul Kossoff zum ersten Mal die Bluesbreakers mit Eric Clapton hört, ist es um ihn geschehen: jetzt zählt nur noch Musik.

FreeEr wird Verkäufer in einem Musikgeschäft, wo er im Herbst 1966 zum ersten Mal eine surreale Person als Kunden trifft. Der Typ spielt eine Fender Stratocaster mit der linken Hand, und der wird in einem halben Jahr die Musikszene aufmischen, als er seine erste Single herausbringt: Jimi's "Hey Joe" veränderte alles.

Auch andere sind in Sachen Musik unterwegs: Paul Rodgers zieht es aus Nord England mit seinem Kumpel Mickey Moody in die Hauptstadt. Das Leben ist weniger als rosig, ohne Geld und Bleibe wird Mickey bald wieder nach Hause zurückkehren (um dann später in verschiedenen Bands wieder aufzutauchen, u.a. in Whitesnake). Paul jedoch beisst sich durch und schliesst sich einer Band namens Brown Sugar an.

Auch der junge Simon Kirke kommt nach London. Als Schlagzeuger hat er in verschiedenen Schüler-Bands in seinem südenglischen Heimatort hauptsächlich Hits der Zeit nachgespielt. In London trifft er auf Paul Kossoff ("Koss"), sie verstehen sich gut und steigen beide bei der halb-professionellen Formation "Black Cat Bones" ein.

FreeDer blutjunge Andy Fraser ergattert mit 15 Jahren einen Job in John Mayall's berühmten Bluesbreakers und spielt zu der Zeit mit Peter Green und Keef Hartley.

Kossoff und Kirke fühlten sich vom Konzept ihrer Band eingeengt, die mittlerweile Champion Jack Dupree begeitete und wollten etwas anderes auf die Beine stellen.

Als Simon zum ersten Mal Paul Rodgers hörte, dessen Band im "Fickle Pickle" in London's Finsbury Park Distrikt den Blues rausknüppelte, war er mehr als beeindruckt von dessen Stimme und erzählte Koss davon. Als dieser wenig später die Gelegenheit wahrnahm, zusammen mit Rodgers und Brown Sugar zu jammen, merkten beide: That's it! Brown Sugar hatte keinen Sänger mehr.

Was fehlte, war ein Bassist. Genau diesen Job verlor Andy an Tony Reeves, als Jon Hiseman als Schlagzeuger bei den Bluesbreakers anheuerte und Mayall zu verstehen gab, dass er einen Jazzbassisten brauchte.

Mike Vernon hörte von der neuen Formation und gab Andy Bescheid, der sich daraufhin auf den Weg machte, die anderen drei in Nag's Head in Battersea zu treffen. Dies war das erste Mal, dass sich die vier zusammenfanden. Simon Kirke erinnert sich: »Die Stimme von Paul hat uns Gänsehaut bereitet, er klang wie Otis Redding, als sei er schon 40 Jahre und war noch nicht mal halb so alt.«

FreeAlexis Korner schlug den Namen der Band vor: FREE. Dies wurde von allen akzeptiert und als Mentor der vier arrangierte der Vater der englischen Bluesszene ein Treffen mit Chris Blackwell, der gerade eine "progressive" Plattenfirma gegründet hatte: Island Records.

Blackwell war gleich angetan von der Vision, die den vier vorschwebte. Nur wollte er den Namen FREE nicht benutzen, auch weil er befürchtete, dass viele Veranstalter Probleme bekämen weil der Name freien Eintritt implizierte. Er schlug vor, dass sich die Band in "The Heavy Metal Kids" umbenennt. Sie blieben standhaft und riskierten, dass es keinen Vertrag geben würde. Blackwell lenkte jedoch ein, er wusste, dass er einen ungeschliffenen Diamanten in der Hand hatte.

Mit einem Vertrag über 6 Monate und eine LP in der Tasche ging's an's Werk. Die Band tourte unaufhörlich und erarbeitete sich ein Repertoire, kurz darauf wurden die Sessions für die erste Platte Tons of Sobs anberaumt. Blackwell scheute keine Kosten und verpflichtete den jungen, von seinem berühmten und erfahrenen Bruder Glyn ausgebildeten Andy Johns. Dies war für Rodgers das erste Mal, dass er durch eine Studiotür ging, die anderen waren erst einmal (!) in einer solchen Umgebung.

Das Resultat war erstaunlich: Paul Kossoff, stark von Clapton und Hendrix beeinflusst, liess Guitar-Licks erklingen, die bisher noch nie gehört wurden. Paul Rodgers klang wie ein Profi mit 20 Jahren Erfahrung. Auch Andy Fraser und Simon Kirke überzeugten mit einer ausgereifen Darbietung, die über das Prädikat "Rhythm Section" weit hinausging. Man erinnere sich: Der älteste war 18, der jüngste 16 Jahre alt!! Unglaublich, aber wahr...

Die Platte hatte einige rauhe Kanten, viele bekannte Blues-Standards wurden mit hartem Rock vermischt. In einem starken Umfeld von Bands wie "Cream" oder den gerade erst gegründeten "Led Zeppelin" konnte sich das Album leider nicht durchsetzen und floppte. Aber allein das Gefühl, ein "Recording Artist" zu sein, beflügelte die Jungs. Die vier brachen zu einer Marathon-Tour auf und spielten live fast jeden Tag. Sie haben sprichwörtlich auf fast jeder Bühne Englands gestanden.

FreeAngespornt von den Erfolgen anderer Bands, machten sich Rodgers und Fraser daran, ihre Musik selbst zu schreiben. Besonders Andy Fraser, der auch schon mit Geschick und Durchblick die geschäftlichen Belange der Band in der Hand hatte, konnte sich mehr und mehr durchsetzen.

Im Januar 1969 begannen die Sessions für das 2. Album, einfach Free betitelt. Die Arrangements wurden viel ausgefeilter und Fraser's Basslinien erschienen fast als zweite Leadgitarre. Rodgers erinnert sich: "Wir nahmen immer mehr den Blues heraus". Koss musste sich seine Gitarrenparts von Andy lehren lassen, was er hasste. Der sensible Koss suchte frustriert Heilung in Alkohol und Drogen.

Das Album bot insgesamt eine Mischung aus (etwas) Blues, Rock und vor allem einen Klang, der stark vom Soul durchtränkt war, geradezu geschaffen für die beiden Pauls: Koss erzeugte nicht weniger Gänsehaut mit den Klängen seiner Les Paul, als Rodgers mit seinem beeindruckenden Stimmorgan.

Um die Platte zu promoten, gingen Free erstmals auf Tour in die USA, wo sie als Vorgruppe von "Blind Faith" gebucht waren. Wegen dem Wirbel um diese Supergruppe waren alle Konzerte natürlich ausverkauft. Kossoff war ganz aus dem Häuschen auf der selben Bühne zu stehen; wie der von ihm verehrte Eric Clapton.

Als dieser sich nach einem Konzert an Koss wandte und ihn fragte, wie er sein berühmtes, herzzereissendes Vibrato spiele, sagte der nur noch kopfschüttelnd: "You must be fucking joking" und war unheimlich stolz auf das Lob und die Begeisterung Claptons.

Im Spätsommer verpassten sie es, in Woodstock zu spielen, eine solche Chance zu verpassen war mehr als ärgerlich. So etwas sollte nicht mehr passieren. Zurück in England begannen eine Reihe von Sessions über Songs, die sie "on the Road" geschrieben hatten, in Hotelzimmern, ja selbst im Umkleideraum der Konzerthallen.

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