
Die Geschichte einer »Guitar Army« (1970 - 1977)
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Das rauhe Nord-Florida ist anders als seine Stiefschwester, die vom Strand umspülte südliche Florida-Halbinsel, es hat mehr mit dem bewaldeten, sumpfigen Süd-Georgia gemeinsam. Jacksonville dehnt sich nahe der Mündung des St. Johns Flusses aus, eine der großen industriellen Hafenstädte des Südens und Heimat des "Mayport" Marinestützpunktes.
Es war im rauhen Westen der Stadt, in der sich der kräftige ex-Preisboxer und nun Lastwagenfahrer Lacey Van Zant mit seiner Frau Marion niederließ, um seine Familie mit drei Mädchen und drei Jungs aufzuziehen. Der älteste Sohn Ronnie beschreibt die Nachbarschaft der Arbeiterklasse: »Es war rauh, besonders wo ich aufwuchs. Es war wie ein Ghetto, schwarz und weiß, es gab viele Straßenkämpfe.«
Lacey lehrte seinen Sohn das Boxen und Ronnie wuchs in diesen barackengesäumten Straßen auf, verstrickte sich immer in Probleme, spielte Ball und ging am nahen Fluß fischen. Eine andere Leidenschaft war Musik. Als Junge sang er in einer Kirche mit schwarzen Gospelsängerinnen. Aber es gab noch eine andere Art Musik, die ihn anzog. Einer seiner Nachbarn war ein ehemaliger Farmpächter aus Georgia, der auf seiner Veranda "Sumpf-Country" Blues spielte. Der junge Ronnie hörte stundenlang der Musik und den Ratschlägen des Shorty Medlocke zu. »Gib niemals auf und du wirst es schaffen«, sagte Shorty dem Jüngling.
Ein weiterer musikalischer Einfluß war das Radio im LKW seines Vaters. Manchmal hat Ronnie seinen Vater auf Fahrten entlang der östlichen Küstenlinie oder auf Highways bis New York begleitet. Diese Reisen waren vom Klang des Mittelwellenrundfunks begleitet, einschließlich Ronnie's Liebling aller Zeiten, des Country-Musikers Merle Haggard.
Mit 16 näherte sich Ronnie einer Band namens "Us" und fragte, ob sie einen Sänger möchten, um ihre Mischung aus schwarzer Delta Musik und Großstadt R&B rüberzubringen. "Us" hat öfters an "Schlachten der Bands" mit anderen lokalen Schulgruppen teilgenommen, einschließlich einer von der etwas besseren, rivalisierenden "Forrest High School". Diese hießen "The Mods" mit den 13-jährigen Autodidakt-Gitarrristen Allen Collins. Wie der Name andeutet, spielten sie hauptsächlich britisch beeinflußten Rock'n'Roll.
Nachdem sich "Us" aufgelöst hatte, war es eine dieser englischen Bands, die alles für Ronnie veränderte. Diese Gruppe hatte die selbe rauhe Energie wie die "Sumpf-Country" Musik, aber sie hatte auch ein leidenschaftlich neues Feuer, einen schnelleren, mehr frenetischen Beat. Der Klang ihrer Gitarren wurde bis zum Aufschrei verstärkt und vermischte sich mit den Schreien der Fans.
Diese hart aussehenden, langhaarigen Rebellen waren die Rolling Stones, und Ronnie van Zant würde niemals den Moment vergessen, als er sie zum ersten Mal hörte. Von nun an verankerte er in sich den Traum, eine Band zu gründen, die das amerikanische Äquivalent der Rolling Stones sein sollte.
"Ich habe die Jungs, die für mich spielen sollten, alle selbst ausgesucht", sagte Ronnie zum Aufbau der Band, die seinen Traum vollenden sollte. Er begann mit einem Nachbar, der ein Schlagzeug hatte, Bob Burns. Ronnie fragte Bob, ob er jemanden kenne der eine Gitarre besitzt und er schlug seinen 13-jährigen Schulfreund Gary Rossington vor, welcher dann Larry Junstrom vorschlug, der eine Baßgitarre hatte. Nun fehlten nur noch zwei Dinge: Ein Verstärker....und die Fähigkeit, zu spielen. Jemand, der beides hatte, war "Mods" Gitarrist Allen Collins, den sie alle kannten.
Die Gruppe nannte sich "The Noble Five". Sie formten sich nach der ersten Welle der britischen Rockinvasion und den "Yardbirds", "Cream" (mit Eric Clapton) und Jimi Hendrix' explosiver "Experience", die alle harten, intensiven Rock garniert mit Echo, Rückkopplungen und Verzerrungen spielten, der neue metallische Klang wurde von den Medien "Psychedelic" getauft.
Die "Noble Five" übten nach der Schule und traten gelegentlich bei lokalen Parties und Tanzveranstaltungen auf, sie luden alles in Ronnie's Auto und spielten für alles, was sie trinken konnten plus Geld für Benzin. Der Klang der fünf, die alle am selben alten Verstärker hingen, war kaum überwältigend. "Als wir anfingen zu spielen waren wir nur furchtbar" erinnerte sich Ronnie lachend.
Manchmal, wenn sie in der Garage von Bob Burns' Eltern übten, dachten sie, daß jemand an die Tür klopfte, aber es war niemand da. Burns lachte: »Leonard war an der Tür.« Oder das Telefon klingelte und niemand war am anderen Ende, Bob schob es wieder auf "Leonard". Bald wurde dies der absolute Witz-eigentlich das Embryo ihres kommenden Namens.
Auf der Lee High School galt eine strikte Kleiderordnung, Bob und Gary bekamen Probleme mit ihrem neuartigem, langhaarigem Rock'n'Roll Aussehen. Für die normalen Stunden fetteten sie ihr Haar ein und kämmten es nach hinten. Nach dem Duschen der vorgeschriebenen Sportstunden würden sie aber öfter von dem Sportlehrer Leonard Skinner mit ihrem verbotenen Haarstil erwischt und wurden suspendiert. Dessen überdrüssig verließen sie 16-jährig die Schule.
Die fünf hatten kein Geld, sträubten sich aber trotzdem, Ganztags-Jobs anzunehmen um sich ganz der Band widmen zu können. Außerdem mußten sie ständig Beschwerden über die Lautstärke ihrer Übungsstunden über sich ergehen lassen und so suchten sie nach einem Übungsraum außerhalb der Stadt.
Sie fanden das was als "Hell House" bekannt werden sollte: Eine abseits gelegene 99 Hektar große Farm etwa 32 km südlich von Jacksonville in der Nähe einer Stadt namens Green Cove Springs. In dieser heißen, kleinen, verschlagsartigen Hütte wurde der Klang von Lynyrd Skynyrd geboren.
Ronnie gedieh in dieser verschwitzten, Studioähnlichen Umgebung und die Band begann damit, Songs zu schreiben mit dem unmittelbaren Ziel eine Platte aufzunehmen. Das Hell House war von Sonnenaufgang zu Sonnenuntergang besetzt, sieben Tage in der Woche. Ideen kamen während ruhigeren Momenten, als Gary und Ronnie hinter den Haus im Flüßchen angelten.
Ronnie: »Ich suche immer die Melodie zuerst und erstelle den Text während ich weiterarbeite...dann zeige ich sie einem der Gitarristen und wir arrangieren alles..." ... "Ich versuche über Orte, die ich gesehen habe zu schreiben, Dinge die ich getan habe...ich glaube, wenn du es wirklich einfach hältst, erreichst du mehr Menschen.«
Die Gegenkultur erreichte Jacksonville und Clubs wie das "Woodstock" oder das "Forrest Inn" wurden eröffnet. Das letzere lag an der westlichen Spitze der Stadt und wurde für Ronnie, Allen und die Band zum Lieblingsclub. Sie spielten dort unter Namen, die sie B-Movies entnahmen, zuerst "Conqueror Worm" aus einem Vincent Price Horrorfilm, dann als "One Percent" aus einem Hells Angels Film.
Zum Jux kombinierten sie eines Abends ihren Witz über den myteriösen "Leonard" mit dem Namen ihres alten Sportlehrers zu "Leonard Skinnerd". Die meisten Besucher kannten Lehrer Skinner und die enthusiastische Reaktion des Publikums gab der Band ihren neuen und endgültigen Namen, nachdem die berühmten "y"s eingesetzt wurden, um die Anonymität Skinners zu schützen.
Jacksonville wurde schnell zum heißen Heimat für die aufstrebende Blues-Rock Szene aus dem Süden. Duane Allman kam von Macon, Georgia um mit "Second Coming", die mit Dickey Betts und Barry Oakley besetzt waren, zu jammen. Der Effekt schlug sich auch auf die neue Skynyrd-Band durch.
Als die Allman Brothers ihr erstes Album veröffentlichen war die Wiederbelebung des Blues-Rock in den Südstaaten (Dixie) in vollem Gang. Die nächste Welle von britischem Blues schlug mit Led Zeppelin an vordester Stelle ein.
Auf Skynyrd hatte die Gruppe Free den größten Einfluß, ein kraftvolles Quartett mit dickem, stampfendem Klang. Der Sänger der Free, Paul Rodgers wurde schnell zu Ronnie's Lieblingssänger, während die "Blut-Temolos" des Gitarristen Paul Kossoff als Muster für Gary's verzerrten Töne dienten.
Lynyrd Skynyrd begannen, sich allgemein und musikalisch zusammenzufügen. Sie gewannen die "Schlacht der Bands" in Jacksonville und bestritten ihre erste Tour als Aufwärmer für "Strawberry Alarm Clock", die sich noch im Erfolg ihres 67er Hits "Incense and Peppermints" sonnten.
Die 50 Dollar, die sie nun pro Woche verdienten, waren das doppelte, was sie in Jacksonville verdienten und die Band stellte eine Mannschaft für solche Spritztouren zusammen, beginnend mit den Roadies Dean Kilpatrick und Kevin Elson (der später "Journey" produzierte und das Album "Lynyrd Skynyrd 1991" abmischte)
Im Oktober 1970 waren Lynyrd Skynyrd 5 Jahre zusammen und hatten bis dahin annähernd 1000 Auftritte. Sie hatten einen Manager, Alan Walden, Bruder des Präsidenten des Carpricorn-Labels, Phil Walden. Alan managte hauptsächlich Soul-Gruppen und er arrangierte, daß Skynyrd Demoaufnahmen im Quinvy Studio, das etwas außerhalb der anderen Hauptstadt der Soulmusik in Muscle Shoals, Alabama, lag. "Free Bird" war einer Songs, die im Quinvy aufgenommen wurden, und das Rockepos begann, sich zu entfalten.
Allen hatte das Stück schon 6 Monate, bevor er es der Band vorspielte, aber Ronnie war ursprünglich dagegen, so viele Akkorde mit Worten zu versehen. Als Ronnie letztlich mit der Lyrik zu Free Bird aufwartete, bat er Allen, die Melodie zu spielen. Diese erste Version von Free Bird machte das Publikum aber nicht an. Erst als Allen die Temposteigerungen, die das "Can't chan-a-ang-ange..." betonten, einbaute, hob der Song ab. Sie spielten diese neue Version zum ersten Mal in Jacksonville's Kunstmuseum, und die Reaktion war überwältigend.
Jimmy Johnson von den Muscle Shoals Sound Studios war besonders angetan von den Gitarren und Ronnie's Stimme auf den Quinvy Demoaufnahmen. Johnson glaubte so stark daran, daß er ein Album umsonst, nur für eine prozentuale Beteiligung produzieren wollte, falls sich die Aufnahme überhaupt verkaufen würde.
Also borgte Skynyrd Geld und fuhr ins kleine, im nördlichen Alabama gelegenen Dörfchen Sheffield, um in Muscle Shoals aufzunehmen. Acht Mitglieder der Mannschaft übernachteten in zwei Zimmern im "Blue's" Truckstop. Der Schlagzeuger und zeitweilige Sänger der ersten Muscle Shoals-Runde war Ricky Medlocke, später bei "Blackfoot" , der Bassist Leon Wikeson stieß am Ende der zweiten Serie von Aufnahmesitzungen dazu. Die ersten Sitzungen fanden im Frühling 1971 statt, die zweiten im Herbst.
Jimmy Johnson und sein Produktionspartner Tim Smith haben der Band regelrecht beigebracht wie man aufnimmt- sie zeigten ihnen, wie man Baß und Schlagzeug als Rythmusgruppe zusammenzieht, und wie man das ursprüngliche Gefühl eines Songs durch den Aufnahmeprozess aufrechterhält. Im Gegenzug lehrten Skynyrd die Ingenierue wie man ganze Nächte durchhält.
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