
Die Geschichte einer »Guitar Army« (1970 - 1977)
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Die Band mußte aufnehmen, wann immer freie Studiozeit zu haben war, manchmal mitten in der Nacht, aber sie konnten wenigstens aufnehmen. Beginnend mit "One more time" haben sie die ersten multi-Track Versionen von "Free Bird", "I ain't the one", "Trust", "Gimme three steps" und 12 anderen Songs eingespielt. Ronnie würde später ihre Schuld gegenüber der Crew der Muscle Shoals Studios für alles, was sie lernten herausstellen, indem er sie mit Zuneigung als "The Swampers" in "Sweet Home Alabama" bezeichnete.
Manager Walden wollte die Bänder aus Muscle Shoals querbeet verkaufen, fand aber keine Abnehmer. Nur das Carpricorn-Label seines Bruders Phil war interessiert, aber Ronnie warf dies über den Haufen, weil er glaubte, die Band sei verloren unter der Southern Rock Explosion der Allman Brothers, der Marshall Tucker Band und Wet Willie, die alle bei diesem Label unter Vertrag standen.
Skynyrd waren entmutigt und kehrten nach Jacksonville zurück, fanden aber Hausmannkost nicht allzu appetitlich. Ihr Einzelgängersound wurde von den Veranstaltern nicht mehr begrüßt, also zog es die Band nach Atlanta, wo sie zeitweise im "Funochio's" zuhause waren, berühmt als die gefährlichste Bar in der Stadt. Schießereien und Messerstechereien waren jede Nacht zu verzeichnen, aber die Band reiste regelmäßig von Jacksonville an, um im Club zu spielen. Sie liehen sich das Geld von Ronnie's neuer Frau Judy, um die Hinreise bezahlen zu können, und zahlten nach ihrer Rückkehr zurück.
Der Produzent und Künstler Al Kooper besuchte Atlanta regelmäßig, seit er auf dem ersten Atlanta Pop Festival 1969 spielte. Die Szene des Southern Rock explodierte und Kooper erkannte die Fülle an Talent in und um Atlanta.
Mit Unterstützung des MCA-Labels startete er sein "Sounds of the South"-Label, im Vertrag waren vier neue Künstler vorgesehen-drei davon waren die aus Los Angeles stammende Funk Band "Elijah", Koopers eigene Band "Blues Project" sowie die Band "Mose Jones" aus Atlanta's Bar Szene. Auf Mose Jones' Vorschlag wurde der vierte Platz von Skynyrd eingenommen. Kooper jammte mit der Band im Funochino's und nach anfänglichem Zögern hat Lynyrd Skynyrd unterschrieben.
Der junge Bassist Leon Wilkeson war sich nicht sicher, ob er den bevorstehenden Erfolg verkraften könne und verließ die Band. Da sie Ersatz brauchten, erinnerte sich Ronnie an Ed King von den Tagen, als sie mit der Band "Strawberry Alarm Clock" unterwegs waren.
Irgendwie hat van Zant es geschafft, Ed King in einer kleinen Bar in South Carolina, in der er arbeitete, zu finden und brachte ihn zum Hell House für Proben für die von Al Kooper produzierten Demos. Die Demos ergaben 5 Songs, alle aufgenommen im Studio One in Atlanta in einer einzigen Live-Session, die bis 3 Uhr morgens dauerte.
Skynyrd hatte fast 20 Songs im Repertoire, als sie die Aufnahmen zu ihrem ersten Album (Pronounced...) begannen.
Die Entscheidungen, welche Songs aufzuführen seien und die Anpassungen an ihren neuen Produzenten Al Kooper verursachten beachtliche Tumulte. Kooper's willensstarke Erscheinung stieß mit den Auffassungen der Band über Änderungen an Songs wie "I ain't the one" aufeinander, aber sein Wissen über moderne Aufnahmetechniken erlaubte der Band, die Songs zu verfeinern und zu verbessern.
Einer der nachbearbeiteten Songs steht heraus: "Free Bird", wo Allen eine zweite Gitarrenspur mit seinem Solo vermischte und so den berühmten Doppelgitarrenklang erzeugte, der das Album zum Höhepunkt treibt.
Wilkeson kehrte kurz nach den Aufnahmen zu "pronounced..." zurück und Ed King spielte von nun an Gitarre, so daß die Band den mehrfachen Gitarrensound des Albums auch live spielen konnte. Nachdem die Band die neue Arbeitsteilung erarbeitet hatte, fanden sie, daß Allen's stechende Gibson Firebird, Gary's weinende Gibson Les Paul und Ed's metallische Hiebe auf der Fender Stratocaster sich einander wunderbar ergänzten. Diese neue Konstellation verursachte einen Ausbruch an Kreativität, die in "Sweet home Alabama" resultierte, noch bevor "pronounced..." veröffentlicht wurde.
"Sweet Home Alabama" war Ronnie's Widerlegung von Neil Young's Aussagen, der in dessen damals gerade neuen Album "Harvest" mit "Alabama" einen kritischen Song veröffentlicht und schon früher mit "Southern Man" ein regional abfälliges Stück aufgenommen hatte.
Ronnie: »Wir schrieben "Sweet Home Alabama" als einen Scherz. Wir haben überhaupt nicht darüber nachgedacht, die Worte kamen einfach so. Wir haben nur höllisch gelacht und sagten "Ist es nicht lustig"...Wir lieben Neil Young, wir lieben seine Musik...«
Unmittelbar nach der Aufnahme von "Sweet Home Alabama" wurde Lynyrd Skynyrd auf einer extra ausgerichteten Presseveranstaltung des "Sounds of the South-Labels" im Richard's Club in Atlanta am Sonntag, dem 27. July 1973, vorgestellt. Als Skynyrd mit einer tosenden Version von "Working for MCA", speziell für dieses Ereignis geschrieben, auf die Bühne trat, stoppte die Party, als 500 hartgesottene Veteranen der Musikindustrie auf Stühlen standen, um einen Blick auf diese unbekannte Band zu werfen.
Der Manager einer anderen Gruppe, die bei MCA unter Vertrag standen, Peter Rudge vom "Who"-Management buchte sie als Eröffnungsband für die geplante "Who-Quadrophenia"-Herbsttournee. Beim ersten Auftritt in San Francisco's Cow Palace gab es erschreckte Lynyrd Skynyrd, die noch nie in irgendetwas größerem als kleinen Bars und Clubs gespielt hatten. Sie versuchten, die gewohnte Bar-Atmosphäre im höhlenartigen Cow Palace dadurch herzustellen, indem sie sich so stark betranken wie es nur ging, um dann in Panik durch 5 Songs zu rasen. Das Publikum liebte sie.
Skynyrd waren kein choreographischer Akt, der Fokus an Aufmerksamkeit lag auf Ronnie, der barfuß über die Bühne schritt, sein Mikrofon schwingend und wie eine Angel festhaltend, wenn er noch mehr aus einem der Gitarristen herausholen wollte. Van Zant's regungsloser Gesangsstil mit seinem heiseren Bariton wurde unterbrochen von durchbohrendem "Wolfspfeifen", was die Leute wissen ließ, daß nun ein weiteres brennendes Solo bevorstand.
Obwohl "Free Bird" das UKW-Radio dominierte, trotz Kritikererfolg des ersten Albums und der darauffolgenden Tour mit den Who hatten weder das Album noch die ausgekoppelte Single "Gimme three Steps" irgendeinen Einfluß auf die Charts.
Als die Band mit Produzent Al Kooper im Januar 1974 wieder ins Studio ging, fühlten sie den Druck, einen Top-40 Hit produzieren zu müssen. Ronnie meinte, das könnte "Sweet Home Alabama" sein, aber Kooper und MCA dachten, daß das Stück zu regional sei und votierten für "Don't ask me no questions".
Ronnie: »Ich machte ein Geschäft mit Ihnen, daß wenn es die von Ihnen ausgesuchte Single nicht schafft, dann bringen sie "Sweet home Alabama" heraus. Ich hatte einfach dieses Gefühl. Wir hatten es so schnell im Kasten...Es sind immer die Stücke, die du so schnell im Kasten hast, die es machen.«
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