
Die Geschichte einer »Guitar Army« (1970 - 1977)
Seite 3
"Don't ask me no questions" schaffte es nicht, und so wurde im Juni "Alabama" in einem letzten Versuch, die schwankende Nachfrage nach "Second Helping" wiederzubeleben, veröffentlicht.
Die Anspielungen an Neil Young und Watergate entzündeten augenblicklich Kontroversen, und als die Platte die Charts hochkletterte stürzte Präsident Nixon als Folge des Watergate-Skandals. Am 20. September wurden "Alabama" und "Second Helping" vergoldet, gefolgt von "pronounced" im Dezember.
Der Erfolg von "Sweet Home Alabama" war zweischneidig. Der Titel, die Erwiderung an Neil Young's "Southern Man" und die Zeile "Watergate interessiert mich nicht" stempelte diese rauh aussehende, in T-Shirts und Jeans gekleidete Truppe aus Florida als "Südstaaten-Band".
MCA dekorierte Skynyrd's Auftritte mit der Konferderierten-Fahne des amerikanischen Bürgerkriegs als Bühnenhintergrund und die Vorstellung war vollkommen, ob es der Band paßte und sie das wirklich wollte, sei dahingestellt. Skynyrd tourte fortwährend, um die beiden ersten Alben zu unterstützen und die endlosen Nächte forderten Ihren Zoll. Der aus North Carolina stammende Schlagzeuger Artimus Pyle ersetzte nach einer Tournee durch Europa das Gründungsmitglied Bob Burns, der wegen Erschöpfung aufgab. Ronnie würde den Song "Am I losing?" auch wegen Bob's Trennung schreiben.
Bob Burns nahm noch vor der Europa-Tournee mit der Band "Saturday Night Special" auf. Als Skynyrd im Januar 1975 ins Webb IV Studio in Atlanta mit Artimus am Schlagzeug zurückkehrte, hatten sie nichts für Aufnahmen vorbereitet. Es war eine Anstrengung von 16 Stunden täglich für 21 Tage am Stück, um die 7 Songs auszubrüten, die zu "Special" hinzugefügt und als obligatorisches neues Album veröffentlicht werden sollten.
Mit sarkastischer Untertreibung nannte Ronnie das Album "Nuthin' fancy" (etwa: Nichts besonderes) und die Band startete eine 90-Tage Tour mit 61 Auftritten (die die Bandmitglieder als Folter-Tour bezeichneten). Trotz ihres ultimativen Erfolges hinterließ die Tour einen Pfad von Schlägereien, verstörten Hotelzimmern, schlampigen Vorführungen und abgesagten Auftritten.
Halbwegs durch die Tour erwachte die Band eines Morgens um festzustellen, daß Ed King, unfähig mit diesem Lebensstil fertig zu werden und anderen persönlichen Problemen, gepackt hatte und mitten in der Nacht wegging. Allen und Gary teilten sich seinen Gitarrenpart für die verbleibenden 6 Wochen der "Folter-Tour".
Ronnie Van Zant: »Wir tranken Flaschen von Dom Perignon, Whiskey flaschenweise, Wein und Bier...Wir konnten nicht mal an die Reihenfolge der Songs erinnern. Irgendein Typ, der hinter den Verstärkern saß, rief sie uns zu. Nach uns sahen die Who aus wie Jungs in der Kirche am Sonntagmorgen. Wir taten Dinge, die nur Narren tun.«
Wieder Ronnie: "Wir bekamen eine Menge Aufmerksamkeit wegen kaputtgemachter Plätze und weil wir wirklich niederträchtig waren...aber du wirst einfach richtig müde...richtig nervös...nur um auszuflippen und über das dunkle Ende zu gehen, zu sagen, Scheiß' drauf, ich höre auf. Nun, anstatt das zu tun sind nur dafür verantwortlich, ein Loch in die Wand geschlagen zu haben.
Obwohl kommerziell erfolgreich waren Skynyrd nicht wirklich zufrieden mit "Nuthin' fancy", so daß ihr neuer Manager Peter Rudge für ihr viertes Album Tom Dowd buchte, bekannt als Produzent von "Derek and the Dominos - Layla" und von "Allman Brothers at the Fillmore East". Dowd's Ansatz beinhaltete eine disziplinierte Methode von Arrangement und Probe jedes einzelnen Songs, um dann als Basis die Instrumental-Spuren mit der Band als Einheit aufzunehmen. Dies unterschied sich von Al Kooper's Ansatz, der sich stark auf nachträgliches Bearbeiten (Overdubbing) verließ.
Die Band nahm im September 4 Nummern für das neue Album im Record Plant in Los Angeles auf, ging dann auf Tour um im November in die Capricorn Studios in Macon, Georgia zurückzukehren, um das Album fertigzustellen. Der Titelsong des neuen Albums war wieder ein mißverstandenes Skynyrd-Statement, "Gimme back my Bullets" (etwa: Ich will meine Kugeln zurück)
Ronnie: »Wir haben aufgehört, den Song zu spielen...weil fast jedes Publikum...schmiß mit einer Handvoll Kugeln, wißt ihr, wie Kugeln von .38er Pistolen... ich singe "gimme back my bullets" und ich bekam sie... es gibt zwei Arten von Kugeln (im Musikgeschäft). Es gibt Kugeln von Feuerwaffen und es gibt Kugeln von Musikmagazinen (Anm: Wenn die Redakteure mit ihren Beiträgen auf einen schießen). Ich wollte, ihr würdet diesen Song in seiner letzteren Bedeutung sehen, so ist er gemeint.«
Zur Zeit des "Bullet"- Albums setzte sich die "Outlaw"-Bewegung in der Countrymusik durch und Songs wie "All I can do is write about it" auf dem Album und auch "T for Texas", das in ihre Auftritte integriert wurde, reflektierte die wachsende Bedeutung der "Hardcore" Countrymusik. Die "Outlaw"-Bewegung war die Rückkehr zu den Ursprüngen der Countrymusik, eine Bewegung gegen den aalglatten Klang von Nashville-Produktionen. Sie wurde u.a. von Waylon Jennings, Willie Nelson und Tompall Glaser angeführt. Tatsache ist, daß die Hinzufügung von "T for Texas" dadurch bedingt war, daß Ronnie die Glaser-Jodel-Version dieses klassischen Jimmie Rodgers-Liedes hörte.
Seite 3