
Athens liegt im Clarke County im nordöstlichen Teil Georgias und hat über 105.000 Einwohner. Die Stadt ist die Heimat der Universität von Georgia und der Navy Supply Corps School. Darüberhinaus ist die Stadt besonders wegen ihrer Musikszene bekannt, die Bands wie R.E.M. , The B52s und Widespread Panic hervorgebracht hat und in dem John Keane sein Aufnahmestudio betreibt.
Wir verlassen Atlanta und fahren auf dem US Highway 78 ostwärts in Richtung Athens, wo wir gegen 11 Uhr ankommen. Ich bin verloren und frage einen Polizisten nach der Prince Avenue, in der das Hotel liegt. »Aus Deutschland seid ihr? - Ich war in Würzburg stationiert«. Kleine Welt, was?
Nachdem wir das Hotel erreicht haben und uns etwas ausgeruht haben, wollen wir in die Stadt und uns umsehen. Das Wetter hat sich extrem verbessert. Ca. 17 Grad C und strahlend blauer Himmel am 21. Februar! Zwei Tage später was ganz, ganz seltenes: Es schneit!
In der Innenstadt fällt zuerst mal auf, daß sonntags die Geschäfte geöffnet sind. Lebensmittel einzukaufen ist ok, aber als wir einen 6-Pack Bier dazu wollen: Nein, nicht sonntags. Wir sind im Bibel-Gürtel, da wird sonntags kein Alkohol verkauft. Punkt.
In der Innenstadt in Athens suche ich aber nach CD-Shops. Und hier gibt es ein paar. Der erste Laden heißt "Big Shot Records", ich suche für mich 'James Gang rides again' (die es 1999 in Deutschland nicht mehr gab) und für meinen Freund Ulli 'Grateful Dead-Dicks Picks Vol. 4'. Und ich finde sie da! Wir kommen auch am berühmten "40 Watt Club" vorbei - für seine Livekonzerte ebenso bekannt wie das "Georgia Theatre" in der Innenstadt.
Am Rathaus ist die berühmte zweigeschossige Kanone aus dem amerikanischen Bürgerkrieg zu sehen. Sie sollte aus beiden Rohren simultan feuern. Dies hat aber nie funktionert, die Waffe war wertlos. Sie wurde der Stadt Athens übergeben, die sie als Kuriosität seit über 100 Jahren ausstellt. Als wir etwas außerhalb der Stadt über die Broad Street in den Atlanta Highway fahren, fällt uns ein Friedhof auf. In den nächsten Tagen werden wir noch weitere sehen, so daß dieser fast typisch ist: Keine großen Grabsteine, sehr viel Blumen und wundervoll gepflegt.
Essen? Natürlich gibt es in Amerika Fastfood überall. Obwohl wir keine Fans davon sind, hat uns überrascht, wie gut manche dieser Restaurants sind. z.B. »Wendys«, die wirklich hervorragende Hamburger machen. Am besten war für aber ohne Zweifel »Arbys«: Rostbeef-Sandwiches mit Meerrettich! Komisch, daß es diese Kette nicht in Deutschland gibt. Eine Marktlücke? Der Süden hat allerdings jenseits von Fastfood wirklich etwas zu bieten, ein Gericht ist mir besonders aufgefallen: »Southern Beef Tips«
Die Prince Avenue zeigt das typische Bild von "Small Town America". Etwas besonderes war das "Normal Town Café", eine Kneipe mit Restaurant, in dem es Pilsner Urquell vom Fass gab. Ich glaub, die Amerikaner haben Bauklötze gestaunt, als wir uns ein paar davon reingezogen haben und auch noch danach geradelinig die Tür rausgegangen sind...
Der Atlanta Highway, der in die Broad Street übergeht, ist die Hauptverkehrsader von und nach Atlanta, an der die vielen Geschäfte liegen: Walmart, K-Mart, Books-a-Million (ein riesiger Buchladen, in dem man selbst dann Kaffee umsonst bekommt, wenn man nichts kauft, sondern nur eins deren Bücher dort liest!), viele Tankstellen, Target-Shops und, und, und...das hat aber seinen architektonischen Preis: Hier sieht jetzt plötzlich mit jeder anderen Stadt austauschbar aus. Keinerlei Individualität mehr, wie sie die Innenstadt zu bieten hat.
Athens als Universitätsstadt bietet natürlich auch ein Bild, das von jungem Geist geprägt ist: Freakshops, abgedrehte Plattenläden, Strassencafes, das für die neuen Rockbands so bedeutende "Georgia Theatre" (da spielten "Leftover Salmon" am Abend, als wir da waren), etwas ausserhalb am Loop 10 die schönen Wohnanlagen wie z.B. die High Ridge Apartments...ohne Zweifel fühlen sich hier Europäer sofort irgendwie zu Hause. Nebenbei: Obwohl der "Black Forest Bake Shop" gutschmeckende Ware hatte, kann man als Deutscher diagnostizieren, dass ähnliche Backwaren im Schwarzwald ganz anders schmecken...
Hier noch ein Bilder mit verschieden Eindrücken aus Athens: